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Rahmenbedingung

“Euphorie und Angst, Modernität und Dynamik,
Glanz und Geschwindigkeit,
Oberflächlichkeit und Kurzlebigkeit. “

(Patrick Braun)

 
 

Ausstellung “Rahmenbedingung”
 

Was läge bei der Suche nach der direkten Kreuzung von Kleidung und Zeichnung/ Mode und
Kunst/ Laufsteg und Museum näher, als fabrics über Keilrahmen zu spannen, darauf zu zeichnen
und diese dann anzuziehen? Das weiss niemand. Also hab ichs einfach gemacht.
Ich kann zeichnen. Ich kann Mode.
Also koppelte ich die Bereiche Zeichnung und tragbare HAKA- Mode, um ein Geflecht, einen
Ausdruck, ein Bild dieser zwei Bereiche zu formen. Die Methodik war da, nun füllte ich sie mit
Inhalt.

Die Zeichnungen finden ihren Ursprung in deutschen Familienschnappschüssen
der 1950er Jahre. Warum denn bloß die 50er?


Das Lebensgefühl der 50er gilt als schwer fassbar. Auf der einen Seite die Euphorie über die sich
endlich verbessernden Lebensbedingungen und die Aussicht auf eine bessere und leichtere
Zukunft, auf der anderen Seite die Angst vor dem dritten Weltkrieg und der Zerstörung durch die
H- Bombe. Anders gesagt: Die Kehrseite des zunehmend besser werdenden Lebens war das
Bewusstsein, jeden Tag wieder Alles verlieren zu können, und das Leben dazu. Doch neben dieser
angstvollen Seite gibt es auch genügend positive Charakteristika für das Lebensgefühl der 50er.
Die Gestalter und Künstler brachten eine neue Modernität zum Ausdruck, eine neue Dynamik
eines gewandelten Lebensgefühls. Nach den grauen Kriegsjahren bekam die Wirklichkeit wieder
Glanz, eine regelrechte Versessenheit auf Eleganz wurde zelebriert, die aufgrund der sich
überschlagenden Geschwindigkeit dieses Zeitalters oft zu einer Oberflächlichkeit und
Kurzlebigkeit führte.

So, Finger hoch, wer erkennt Motive wieder?

Euphorie und Angst, Modernität und Dynamik, Glanz und Geschwindigkeit,
Oberflächlichkeit und Kurzlebigkeit.

Die Motive und Charakteristika der Fünfziger sind so modern und akut wie nur was. Ich kann mich
mit ihnen identifizieren, obwohl ich nie dort war; ich fühle mit ihnen, auch wenn ich sie gar nicht
kannte.

Die Mode lebt im Zitat an sich…so wohl auch ich.

Passend zum Thema der Zeichnungen wählte ich typische 50er Jahre Kleidungsstücke aus und
wand die Methodik, das Einbringen der Keilrahmen in die Klamotte, an. So geschehen mit
Trenchcoat, Marlon Brando- Motoradjacke, James Dean Tee Shirt, einem Anzug, etc.
Stets gestaltete ich die Kleidung so, dass sie zwar die Funktion erfüllt, also den Rahmen mit der
Zeichnung trägt und als Bild an der Wand hängen kann, und gleichzeitig modernen modischen
Ansprüchen gerecht wird und als Ready- To- Wear- Fashion funktioniert. Also formte ich die
Kleidung immer mit zweierlei Ansprüchen: Sie muss gut am Körper sitzen, sie muss gut an der
Wand sitzen. Laufsteg und Galerie, in beiden Disziplinen muss die Kollektion gewinnen. So
bedingt der Rahmen die Kleidung, die Kleidung darf den Rahmen nicht sprengen, die
Rahmenbedingung ist klar definiert und wenn was aus dem Rahmen fällt, hats keinen Wert. So
orientierte ich mich hinsichtlich der Verarbeitung der Kleidung weitestgehend an typischen und
traditionellen Weisen des jeweiligen Kleidungsstückes, das ich interpretierte. Ein Trenchcoat
braucht einen Collar, einen Gürtel und doppelreihige Knöpfe, ein Hemd braucht einen Dachschlitz,ein Sweatshirt ein ordentliches Bündchen.
 
 

Rahmenbedingung: AN_AUS_TURBO!

Ausstellung
Patrick Braun

Factory for Glorious Shit
in der SDW Neukölln
Pflügerstr. 11

29.10. ab 20.00h